Persönliche Erklärung des Mitgliedes der Bezirksvertretung Wattenscheid Bodo Schmalstieg

27.10.2015 · Bezirksfraktion

 

 

Abgegeben in der Sitzung Der BZV am 27.10.2015

 

Sehr geehrter Herr Dr. Busch

Sehr geehrter Herr Bezirksbürgermeister

Liebe Ex-Kolleginnen und – Kollegen

meine sehr verehrten Damen und Herren,

 

eigentlich hätte diese persönliche Erklärung bereits in der vergangenen Sitzung im September abgegeben werden sollen, die dann aber ausgefallen ist. Das war aus heutiger Sicht auch gut so.

Denn zu dem Zeitpunkt war ich sprech- und stimmtechnisch  gesehen völlig daneben ( von der Rolle). Und hatte eine Operation mit einem negativen Ausgang hinter mir.

Inzwischen ist eine weitere Operation erfolgt, diesmal mit einem positiven Ergebnis, d.h. Man hat nichts Böses gefunden, aber in drei Wochen steht die nächste OP an.

 

Deshalb war mein Entschluss, zurückzutreten und das Mandat aufzugeben richtig und geboten, aber ich muss gestehen, es ist mir schwer gefallen, es war keine leichte Entscheidung, mitten in der Legislatur nach gut 16 Jahren als Bezirksvertreter, davon 13 in der Funktion des Stellvertretenden Bezirksvorstehers bzw. Bezirksbürgermeisters einen Schlussstrich zu ziehen.

 

16 Jahre ist zwar wenig im Vergleich zu den Dinosaurieren – was sich allein auf die Verweildauer in diesem Hause bezieht – ich denk da vor allem an die Kollegen Schick  und Krause, den jetzigen Bezirksbürgermeister Molszich und natürlich meinen Fraktionsvorsitzenden in all den Jahren, meinen Freund Klaus – Peter Hülder, aber da kommt dann vielleicht doch noch mein Alter ins Spiel.

Es war jedenfalls eine ereignis- und lehrreiche Zeit, eine Zeit, in der man die Probleme, die in einem Gemeinwesen sich auftürmen können, von einer ganz anderen Seite angehen und lösen lernt.

Es war eine fruchtbare und zumindest teilweise  erfolgreiche

Zeit dank auch vieler Menschen, die hier im Hause oder bei der Verwaltung in Bochum  ihren Dienst versehen. Hier  seien insbesondere – stellvertretend für all die vielen anderen dienstbaren Geister – der Bezirksverwaltungsstellenleiter und sein Stellvertreter, die Herren Thömmes und Kayhs genannt. Vielen Dank für Ihre kompetente

und und umfassende Hilfe,Unterstützung und Beratung.

Die beiden wussten auch dann noch immer einen Ausweg im Paragraphenwirrwarr, wenn alle andern schon am Ende waren.

 

Es ist an der Zeit, Dank zu sagen all denen, mit denen ich hier

im Hause zusammengearbeitet, gerungen habe um die letztlich richtigen Entscheidungen, denken sie an die  schwierigen Entscheidungen im Zusammenhang mit den Schulschließungen, die wir treffen mussten und letztendlich  die Schließungen in Gänze nicht verhindern konnten, eine Entscheidung, die ich auch heute noch für falsch halte.

Oder denken sie an  die für Wattenscheid so eminent wichtige Entscheidung Gertrudiscenter.

Ich glaube, dass unser Handeln in der BZV geprägt war durch das kollegiale, den andern respektierende Tun und Handeln. Das hatte für mich schon eine eigene Qualität. Ich bin sicher, das wird auch in Zukunft so sein, wenn Hans-Josef Winkler meinen Platz einnimmt.

Josef, viel Glück und viel Erfolg!

 

Wir waren uns ja hier immer einig über unser Ziel: Unser Wattenscheid ein klein wenig voran zu bringen und das Liebens- und Lebenswerte zu bewahren.

 

Ob uns das gelungen ist? – das wäre zu hinterfragen. Aber ich bitte Sie: Machen Sie weiter , lassen Sie nicht locker!

Das integrierte Stadtentwicklungskonzept und das Programm „Soziale Stadt“ sind zwar nicht das Ei des Kolumbus, aber sie bieten eine Chance! Toi, Toi, Toi, viel Glück!

 

Mein zweiter Wunsch hängt mit der Entwicklung in unserem Lande zusammen im letzten Jahr.

Ich habe Angst, große Angst, nicht vor den Flüchtlingen und Migranten aus der ganzen Welt, sondern vor Menschen, die durch Hass, Wut und Gewalt, durch Hetze und Aggression, Radikalität und Tabubrüche unseren Staat, unsere Gesellschaft nicht demokratisch verändern, sondern vernichten wollen.

Es war und ist auch heute so: Radikalismus und Fremdenfeindlichkeit haben und werden in diesem Hause nicht den Hauch einer Chance haben.

Liebe Ex-Kolleginnen und Kollegen, halten Sie bitte die Augen auf, erheben Sie  ihre Stimme, beziehen Sie Stellung, wehren Sie sich, damit das höchste Gut in unserem Staat, in unserer Gesellschaft der Geist unserer Verfassung nicht Schaden nimmt und Radikalismus bei uns eine wenn auch ärgerliche aber völlig überflüssige Randerscheinung bleibt.

Wenn wir einen Blick auf unsere Nachbarländer werfen, werden wir sehen, dass dort der Rechtsradikalismus immer mehr Raum gewinnt. Eine gefährliche Entwicklung.

 

„Die europäische Rechte will keine Revision der Geschichte mehr, sie will Revolution“ (Bernd Ullrich in der Zeit Nr. 43). Sie will unsere Ordnung nicht nur verändern, sondern zerstören und nutzt die Not und das Elend von Menschen, die von Krieg, Hunger und Tod bedroht sind, brutal aus, um bei den Menschen hier Ängste zu schüren und ihre verqueren Ideen unter das Volk zu bringen.

 

In diesem Sinne bin ich froh und dankbar, dass wir hier in Bochum eine Willkommenskultur vorfinden, die den Verantwortlichen und den Ehrenamtlichen zwar große Sorgen und eine Menge Arbeit bereiten, aber Bochum hat bis jetzt diese Aufgabe mit Geschick und Elan, aber auch mit aufopferungsvollem Einsatz, Geduld und viel gutem Willen gemeistert.

Kompliment, Dank und Anerkennung, ihnen weiterhin viel Glück.

 

Noch einmal Bernd Ulrich und die Zeit:

 

„Die wahren Helden dieser Woche des Hasses sind jedoch die Bürgermeister der dreißig größten deutschen Städte. Sie Wurden von Spiegel Online eingehend nach ihren Problemen mit den Flüchtlingen befragt, das Ergebnis ist verblüffend: Nur drei von dreißig Metropolen halten sich für „überfordert“. Aber nicht einmal die wollen in „Wehklagen“ ausbrechen, wie es aus dem Stuttgarter Rathaus heißt.“Wir brauchen Geduld und Willen“, antwortet Wuppertal.

Und Deutschland braucht mehr Wuppertal.“

Ich wünsche Ihnen persönlich alles Gute und Wohlergehen und wer es möchte Gottes Segen und sage Dank für 16 gute Jahre.

 

Wattsche Hol Pol !

 

 

 

 

 

 

 


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